Kinder- und Familienzentren der AWO Karlsruhe

Konflikte unter Kindern lösen ///

Konflikte haben einen sehr negativen Ruf. Viele von uns Erwachsenen haben als Kinder gelernt, dass Streiten nicht gut ist. Wir haben gelernt, Streit zu vermeiden oder im Zweifelsfall lieber nachzugeben.

Wenn sich unsere Kinder in der Öffentlichkeit streiten, fühlen wir uns als Eltern
oft schlecht. Vor allem, weil sie oft lauter, heftiger und emotionaler streiten als
Erwachsene.

Doch Konflikte gefährden nicht das Sozialverhalten,
sie ermöglichen überhaupt erst das Erlernen von
Sozialverhalten.

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Auszüge aus der Präsentation:

„Streiten ist nicht schön!“

Konflikte haben einen sehr negativen Ruf. Viele von uns Erwachsenen haben als
Kinder gelernt, dass Streiten nicht gut ist. Wir haben gelernt, Streit zu vermeiden
oder im Zweifelsfall lieber nachzugeben: „Der Klügere gibt nach“ oder „Um des
lieben Friedens willen“. Kinder, die sich häufiger streiten, werden leicht als
unbeherrscht, unerzogen oder aggressiv abgestempelt. Sie gelten als wenig sozial
und werden von anderen Eltern nicht so gerne als Freunde ihrer Kinder gesehen.
Wenn sich unsere Kinder in der Öffentlichkeit streiten, fühlen wir uns als Eltern
oft schlecht. Vor allem, weil sie oft lauter, heftiger und emotionaler streiten als
Erwachsene.

Was sollen nur die Leute denken?“

Als Eltern überlegen wir dann oft, was wohl die anderen Eltern über uns denken: „Die haben ihre Kinder nicht gut
erzogen.“ oder „Bei denen wird bestimmt auch zu Hause oft gestritten.“ Wir machen uns vielleicht sogar mehr
Sorgen darüber, was andere Eltern über uns und unsere Kinder denken, als darum, wie es unseren Kindern gerade
geht und was sie brauchen.

„Was soll nur aus meinem Kind werden?“

Oder wir machen uns Sorgen um die Zukunft unserer Kinder: „Was soll nur aus ihnen werden, wenn sie nicht mit
anderen zurechtkommen? Werden sie in der Schule gemoppt werden und keine Freunde haben? Werden sie zu
selbstsüchtigen Narzisten, denen es nur um sie selbst geht?“ Nicht nur für die beiden Kinder, die sich gerade um
den Bagger streiten, geht es gerade gefühlt um alles – für die Eltern auch. Kein Wunder, dass viele Eltern sich
unwohl fühlen oder gestresst sind, wenn ihre Kinder streiten. Sie wollen den Streit möglichst schnell beenden. Aber
auch nach dem Streit sind sie oft unzufrieden mit dem Verlauf und vielleicht auch mit der „Lösung“.

Was können Eltern tun, damit Kinder lernen ihre Konflikte selbständig zu lösen?

Wir unterschätzen Kinder oft, wenn es darum geht, was sie alles schon können, was sie schon verstehen, was sie
mitbekommen und was für gute Ideen sie haben. Wir überschätzen vor allem aber jüngere Kinder sie aber genauso
häufig, wenn es darum geht, ihre eigenen Gefühle kontrollieren zu können, ihre Impulse zu steuern und sich in andere
Menschen hineinversetzen zu können. Dies alles entwickelt sich erst ganz langsam im Alter von 3 – 6 Jahren und ist oft
im Grundschulalter noch nicht abgeschlossen. Kinder müssen auch erst langsam ihre eigenen Gefühle kennenlernen,
unterscheiden und benennen können, um sagen zu können, was sie gerade wünschen. Kleine Kinder gehen in der Regel
davon aus, dass ihr Gegenüber genau dasselbe möchte wie sie und sind dann völlig irritiert, wenn das andere Kind
weint, wenn es freudig mit Sand um sich wirft.
Vor manchen Erfahrungen kann man sein Kind auch nicht beschützen, und es wäre auch nicht sinnvoll. So wird jeder
Mensch immer wieder Erfahrungen machen, in denen andere sich unfreundlich oder eigennützig verhalten oder ihm
absichtlich oder unabsichtlich wehtun. Es gilt also eher, die Kinder auf solche Ereignisse vorzubereiten und ihnen zu
helfen, mit ihnen gut umzugehen, sich selbst zu schützen, Hilfe zu holen und zu erleben, dass trotz allem nicht die Welt
zusammenbricht.
Es kann auch gut sein, dass dein Eingreifen verhindert, dass sie diese Entwicklungsschritte gehen können. Wenn du z.B.
eingreifst, wenn ein anderes Kind dein Kind nicht auf die Schaukel lässt, dann lernt dein Kind vermutlich, dass es die
Mama braucht, um etwas zu bekommen, das es gerade haben möchte. Und es kann keine eigenen Strategien
entwickeln um selbst erfolgreich zu sein. Studien haben gezeigt, dass Kinder häufiger nach einem Konflikt nicht weiter
miteinander gespielt haben, wenn sich ein Erwachsener eingeschaltet hat, wie wenn sie den Konflikt selbständig
bewältigt haben. Vermutlich fällt es uns als Erwachsenen häufig schwerer als wir meinen, herausfinden, um was es
gerade wirklich geht. Wir verordnen dann Lösungen, die nicht zum Problem passen. Und die Kinder sind frustriert,
fühlen sich nicht verstanden und hatten keine Chance, eine eigene Lösung zu finden.
Wenn du möchtest, dass dein Kind einmal seine Probleme selbst lösen kann, dass es nicht konfliktscheu ist, sondern
mutig und fair für seine eigenen Bedürfnisse und Ideen eintreten kann, darfst du ihm das nicht abnehmen, sondern du
musst ihm helfen, diese Fähigkeiten zu entwickeln?
Zuerst musst du dich als Elternteil um dich selbst kümmern, damit du dich dann gut um dein Kind kümmern kannst.